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Die Relevanz von menschlichem Verhalten für Controller: Warum richtig rechnen nicht reicht

Controller sind rational. Sie drücken die Welt in Zahlen aus, sie misstrauen dem Bauchgefühl der Manager, sie haben es am liebsten schwarz auf weiß. Mehr und bessere Zahlen begeistern sie ebenso wie immer ausgefeiltere Analysetools. All das reicht aber nicht aus – selbst gravierende Fehlentscheidungen können dadurch nicht verhindert werden. Dr. Martin Muhr, Finanzvorstand bei der europaweit agierenden RWE Retail und bei Essent in den Niederlanden, stellt in seinem Interview in der Controlling & Management Review fest: „All das bringt uns aber zurzeit nicht mehr viel weiter.“ Die Fehlentscheidungen, die der Konzern getroffen hat, gehen nicht auf das Konto der vorbereitenden Rechnungen. Grund waren typische Probleme des menschlichen Entscheidungsverhaltens. Psychologie toppt Ökonomie!

RWE hat schmerzlich gelernt, dass kognitive Verzerrungen nichts Esoterisches sind, mit dem man sich im Urlaub beschäftigt, sondern harte Konsequenzen für den Unternehmenserfolg haben. Damit werden sie zu einem Controlling-Thema erster Güte! Controller müssen wissen, wie Ankereffekte wirken, was unter „group think“ oder „overconfidence bias“ zu verstehen ist – um nur ein paar Verzerrungen anzusprechen. Sie müssen ebenso lernen, Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Auf diesem Feld sind die für das Controlling eigentlich neuen Techniken und Tools zu entdecken und umzusetzen.

RWE hat für seine Bemühungen, das Thema voranzubringen, den letztjährigen Controllerpreis des ICV gewonnen. Nichts ist so überzeugend wie ein gutes Beispiel!  

Lesen Sie das gesamte Interview mit Dr. Martin Muhr in der Controlling & Management Review, Sonderheft 2/2015.

Autor: Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber


Autor

Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber ist Direktor des Instituts für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Im Rahmen seiner Forschungs­tätigkeit beschäftigt er sich mit der Untersuchung von organisationalen Veränderungs­prozessen und der Dynamik und Komplexität der Controllership.

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